Die Figurenkonstellation
In "Leben des Galilei" stehen sich zwei Lager gegenüber: Die Wissenschaft (Neues Weltbild) und die Kirche (Altes Weltbild). Dazwischen steht das einfache Volk, das von den Umwälzungen betroffen wäre.
Galileo Galilei
Rolle: Physiker, Mathematiker, Astronom (46 Jahre zu Beginn).
Charakterisierung
- Der Genussmensch: Er liebt gutes Essen, Wein und Bequemlichkeit ("Ich verachte Leute, deren Gehirn nicht fähig ist, ihren Magen zu füllen"). Diese Körperlichkeit macht ihn menschlich, aber auch erpressbar (Angst vor Schmerz).
- Der Forscher: Er ist besessen von der Wahrheit und dem Beweis. Er glaubt an die Vernunft des Menschen ("Ich glaube an den Verstand").
- Der Anti-Held: Er ist kein idealistischer Märtyrer wie Giordano Bruno. Er widerruft, weil er Angst vor der Folter hat. Brecht zeichnet ihn als "sozialen Verbrecher", weil er sein Wissen nicht verteidigt.
Andrea Sarti
Rolle: Sohn der Haushälterin, Galileis Schüler und späterer Nachfolger.
Entwicklung
- Der Schüler: Als Kind lernt er von Galilei das neue Weltbild. Er ist wissbegierig.
- Der Enttäuschte: Als Galilei widerruft, ist Andrea am Boden zerstört ("Unglücklich das Land, das keine Helden hat"). Er verachtet seinen Lehrer.
- Der Erbe: Am Ende schmuggelt er Galileis "Discorsi" über die Grenze. Er erkennt (fälschlicherweise?), dass Galileis Widerruf vielleicht doch Taktik war.
Virginia Galilei
Rolle: Galileis Tochter.
Sie ist gläubig und naiv. Sie leidet unter dem Konflikt ihres Vaters mit der Kirche. Ihre Verlobung mit dem reichen Ludovico platzt, weil Galilei weiterforscht. Sie bleibt bei ihrem Vater und pflegt ihn ("betreut" ihn für die Kirche). Sie steht für das private Opfer, das Galileis Forschung fordert.
Die Vertreter der Kirche
- Kardinal Barberini (später Papst Urban VIII.): Ein Mathematiker und eigentlich aufgeklärter Mann. Er bewundert Galilei, beugt sich aber als Papst der Machtpolitik ("Die Zahlen zwingen uns nicht"). Er symbolisiert, wie Institutionen das Individuum korrumpieren.
- Der Inquisitor: Der eiskalte Machtpolitiker. Für ihn zählt nur der Erhalt der kirchlichen Ordnung. Er weiß, dass Galilei recht hat, aber die Wahrheit ist gefährlich für die Herrschaft.